Die Weseta Textil AG, die einzige Schweizer Weberei von Premium-Frottiertextilien, feierte 2014 ihr 150-Jahr-Jubiläum. Ihre Geschichte ist ein spannendes Beispiel für unternehmerischen Mut und den unerschütterlichen Glauben, dass Schweizer Wertarbeit noch lange Zukunft hat. Dank der Fokussierung auf exklusive Frottierwäsche für den Luxus-Markt, gelang es dem Traditionsunternehmen, sich trotz den Veränderungen in der globalisierten Textilwirtschaft zu behaupten und weiterhin am Standort Schweiz zu bleiben.

Importdruck zwingt zur Innovation

Zu Beginn der 1970er Jahre des letzten Jahrtausends, ändern sich die Verhältnisse auf dem Markt für Frottierwaren unerwartet schnell durch einen scharfen internationalen Wettbewerb. Überseeische Massenware, vorwiegend aus Brasilien, drückt auf die Preise. Standardartikel in grossen Stückzahlen werden mehr und mehr durch Importe verdrängt. weseta muss neue Ideen suchen, um sich am Markt zu behaupten. Einerseits werden modische Kollektionen entworfen und anderseits gilt es, auf lange Sicht hochwertigere Produkte zu entwickeln. Mit dieser Botschaft im Hinterkopf macht sich Webermeister Vincenzo Martorelli an die Arbeit.

Im Bild: Vincenzo Martorelli

Engi im glarnerischen Sernftal

Wer sich nach Engi im glarnerischen Sernftal begibt, verlässt in Schwanden das Haupttal. Die Strasse führt dem rauschenden Fluss Sernf entlang aufwärts, links und rechts erheben sich imposante Felsflanken. Dort, wo sich das Tal erstmals leicht öffnet, liegt das Webereigebäude von weseta, im Dorf Engi. Hier gründete 1864 Leonhard Blumer die Weberei Sernfthal AG (die heutige weseta switzerland) als Weberei für grobe Baumwolltücher. Bei den Engländern, die diese Webtechnik im Vorderen Orient entdeckt hatten, lernt Blumer das Frottierweben kennen. Er schafft entsprechende Webstühle an und beginnt sofort mit der Fabrikation dieses neumodischen Produktes.

Weberei Sernftal AG um 1980 (die heutige weseta switzerland)

Vincenzo Martorelli, der Vater von dreamflor – ein leidenschaftlicher Tüftler

Vincenzo Martorellis Leidenschaft sind besondere Produkte, und er experimentiert mit neuen Garnen, die ihm kürzlich durch eine internationale Handelsfirma zugetragen wurden. An manchen Samstagen und Sonntagen, wenn der Betrieb ruht, hört man aus der hintersten Ecke des Websaals gelegentlich einen Schraubenschlüssel klirren oder das kurze Rattern einer Webmaschine, das bereits nach wenigen Schusseintragungen wieder verhallt. Vincenzo Martorelli hat eine Idee, die ihn nicht mehr loslässt – aber er weiss noch nicht, wie er sie realisieren kann. Seine Vision ist ein leichtes, aber sehr flauschiges Frottiertuch, das die Feuchtigkeit vom Körper noch besser aufnimmt als ein schweres Frottiertuch. Manches Wochenende vergeht, und Vincenzo Martorelli kommt nicht vom Fleck. Das natürlich weiche Garn hält der Spannung auf dem Webstuhl nicht stand und bricht bereits bei den ersten Schusseintragungen.

Glarner Nachrichten vom 19. September 1980

Vincenzo Martorelli, ein Sohn italienischer Einwanderer, hat in seiner Schulzeit die Hartnäckigkeit seiner Schweizer Mitschüler angenommen, gleichzeitig seine spielerische, positive italienische Lebensart beibehalten. Die Verbindung dieser beiden Eigenschaften hilft ihm, die Tiefs zu überwinden und trotz Rückschlägen am Ziel festzuhalten. Langsam nähert er sich der Lösung, wie einem offenen Baumwollfaden mit wenig Drehung die Stabilität gegeben werden kann, damit er auch unter der hohen Spannung in der Webmaschine nicht mehr bricht, aber auch nicht plump zerfällt, wie wir es bei der heute weitverbreiteten Zerotwist-Technologie antreffen.

Ein neues Produkt ist geboren

Freudestrahlend sitzt im September 1979 der Webermeister Vincenzo Martorelli bei seinem Chef im Büro. Er weiss jetzt, wie er wenig gedrehtes Garn über die Webmaschine bringt. Die technischen Hürden sind überwunden, doch das einzigartige Produktionsgeheimnis wird von weseta switzerland und Vincenzo Martorelli gut behütet! Alle sind begeistert.
Verwaltungsratspräsident Peter Hefti und die Leiterin des Designateliers erkennen umgehend das Potential dieser Technologie: Ein neues Produkt ist geboren! Fasziniert von der Flauschigkeit, spricht Peter Hefti von traumhaften Frottiertüchern, und Marketing- und Verkaufsdirektor Edwin Hauser gibt dem Produkt spontan den Namen dreamflor. Bereits die erste Serie der neuartig gewobenen Tücher erhält eine Bordüre mit Mäandern, stilisierten Flussschlaufen, ein Ornament, das schon in den Wandfriesen von Villen der römischen Antike anzutreffen ist. Die edle Optik entspricht der hervorragenden Qualität des neuen Produktes und bleibt fortan sein Markenzeichen. Im Sommer 1980 webt ein kleiner Webstuhl von Günne am Möhnesee die ersten dreamflor Handtücher. Er läuft etwas langsamer und mit weniger Zug auf dem Faden als die Schweizer Webstühle von Saurer. Dies kommt dem Produkt entgegen. Mit einer Sonderbeilage in der Schweizer Textilrevue wird das Tuch beworben. In goldenen Lettern prangt der Name dreamflor auf der Titelseite des Sonderdrucks, mit dem Zusatz: das weichste und leichteste Frottiertuch der Welt.

Erstes dreamflor Logo um 1980

Schwierige Anfänge

Doch der Handel ist noch nicht bereit für ein solches Produkt. Amerika ist in Mode, und dort gilt: Schwere Frottiertücher sind der Ausdruck für Luxus, für eine mondäne Welt. Und die Idee prallt an den schweren Frottiertüchern von Fieldcrest und Cannon ab. Eine Gemeinschaft von deutschen Handelsreisenden besucht Drogerien in ganz Deutschland und erzielt erste Erfolge

Frischer Wind

Conrad Peyer erhält zu Beginn der achtziger Jahre, bei der Abreise zu seinem Auslandsjahr nach England, von seiner Mutter ein dreamflor Duschtuch als Abschiedsgeschenk. Das Tuch fasziniert ihn, fühlt sich aber während den nebligen, kalten englischen Wintertagen etwas dünn an.
Vincenzo Martorelli lässt nicht locker und entwickelt weiter. Er nimmt die Hinweise von Kunden und Conrad Peyer auf. Das Tuch wird einen Hauch schwerer, Garne werden verändert, und auf Anraten eines deutschen Handelsvertreters wird mehr und mehr Rohbaumwolle verwebt und in leichten Pastellfarben stückgefärbt.
Das Tuch fasst Anfang der neunziger Jahre wirklich Fuss in Deutschland. Schweizer können mit der kuschligen Weichheit noch nicht so richtig umgehen.

dreamflor Logo um 1990

Ein Team von dreamflor-Fans

Mit dem Eintritt von Conrad Peyer und Heini Kählin in die Firma wird das Produkt dreamflor konsequent weiterentwickelt und international vertrieben. Mehr und mehr erkennen Handel und Verbraucher die angenehmen Seiten von dreamflor, lieben die kuschelige Weichheit, schätzen das leichte Gewicht und die Luftigkeit des Produktes, verlieben sich in die modisch brillanten Farben, kaufen es und bleiben der Marke treu.
dreamflor wird in den Märkten Schweiz, Deutschland, Österreich, Japan und Russland konsequent aufgebaut und vertrieben. Heute ist dreamflor das Leaderprodukt von weseta switzerland.
dreamflor steht im Jahr 2020 im Zentrum unserer Firma. Doch die Welt bleibt bei weseta switzerland nicht stehen. Ein junges und fachkundiges Team von Spezialisten pflegt und perfektioniert unsere bestehende Produkte-Linie dreamflor und entwickelt gleichzeitig neue Produkte und neue Ideen.
Vincenzo Martorelli freut’s, dass «seine» Weberei in guten Händen von einzigartigen Spezialisten ist.
Heute philosophiert der pensionierte Webermeister Vincenzo Martorelli nur noch gelegentlich mit seinem Nachfolger. Denn den Sommer verbringt er in seiner Heimat am Meer (immer mit einem dreamflor-Tuch), und im Winter ist er bei sich zuhause in Engi. Dann schaut er ab und zu in der Weberei vorbei und freut sich, welch tolle Arbeit seine Nachfolger leisten.